Übersättigung vs High

27.03.2026

Die Zeit ist eine sehr wechselhafte und instabile, was sie aber dadurch bewirkt ist, dass ständig neue Situationen entstehen, die auch für Veränderungen sorgen. Vielleicht entsteht so keine Übersättigung, sondern es bleibt immer alles im High. Stabilität und Routine sorgen gerne für eine verdeckte Übersättigung, die man akzeptiert, weil sie gewohnt ist und eine gewisse Sicherheit gibt. Das ist aber nicht das Ziel und befriedigt auch nicht auf Dauer. Wesentlich intensiver und befriedigender ist es, wenn man durch ständige Neusituationen immer wieder in das High von etwas Neuem findet, dieses erforschen und sich diesem hingeben kann und darin nicht die Sicherheit sucht, sondern das High findet. Das bedeutet nicht, ständig auf der Suche nach Neuem zu sein, nichts an sich heranzulassen und auch nicht in die Tiefe zu gehen, sondern einfach um zu erkennen, wann eine Übersättigung eintritt und man eigentlich damit fertig ist. Automatisch zeigt sich dann, dass der Wechsel in eine neue Situation notwendig ist, in der sich ein High verbirgt, das erforscht werden will. Ich weiß, das ist in manchen Lebensbereichen erschreckend und klingt bedrohlich, aber vielleicht liegt genau in diesen Worten das Geheimnis, nichts festzuhalten, sich nicht übersättigt von etwas zu fühlen, sondern eine Situation loszulassen, um in die nächstfolgende zu finden, in dieser das Potential des High liegt.

Erst in der Freiheit kann der Mensch sich von High zu High bewegen, jeder der an etwas gebunden ist, muss Kompromisse eingehen, muss sich mit einem lauen Zustand zufriedengeben, der weder übersättigt noch high zu sein scheint. In Wirklichkeit aber ist es eine verdeckte Sättigung, die verdrängt wird, um inneren Frieden aufrecht zu erhalten. Das geht so lange gut, so lange dieser innere Frieden nicht kippt und die ganze Situation unbefriedigend wird. Erst dann ist eine Veränderung möglich, um aus dieser Übersättigung herauszufinden und in eine neue Situation zu wechseln. Die Gefahr liegt darin, dass auch diese Situation viel zu lange bestehen bleibt und es wieder zu einer Übesättigung kommt. Das geht so lange, bis die Erkenntnis gewonnen wurde, dass man sich von High zu High bewegen könnte, ohne dabei permanent in die Kompromiss-Zone zu wechseln. Das Leben fordert den Menschen immer auf, in Bewegung zu bleiben, Veränderungen anzunehmen und zu versuchen, sich diesen Veränderungen nicht entgegenzustellen.

Das Leben würde schon dafür sorgen, sich von High zu High zu bewegen und nicht von einer Übersättigung in die nächste. Dafür braucht es aber eine innere Wahrnehmung, Ehrlichkeit sich gegenüber und auch der Situation gegenüber und Vertrauen darauf, dass man nichts verliert, auch wenn eine Veränderung eintritt. Sich an etwas Gewohnten und Vertrauten festzuhalten bringt eigentlich mehr Verlust als Gewinn, denn man verliert dabei das High, also das, worauf man sich im Leben so richtig freut. Stattdessen hat man ein gewisses Maß an Sicherheit, das aber nicht wirklich erfüllend wirkt, sondern eher langweilig ist. Dieser Kompromiss verhindert die natürliche Beweglichkeit des Menschen, die Leichtigkeit wird gegen Sicherheit getauscht, die Freude gegen Routinen und das auf Kosten der Freiheit über die eigentlichen Bewegungen, die das Leben einfordert.

Was wirklich gegen diese Übersättigung hilft, ist, sich selbst spüren zu lernen, sich wahrnehmen zu lernen, sich gegenüber ehrlich zu sein und wirklich all das aufzudecken, wo ein Kompromiss verdeckt dafür sorgt, dass keine wirkliche Lebensfreude aufkommen kann. Unsere neuen Zivilisations-krankheiten von Burning und Boring sind eindeutige Zeichen für unsere verdeckten Übersättigungen und unsere Kompromissbereitschaft, nur um nichts zu verlieren. Aber glaubst du wirklich, dass du etwas festhalten könntest, nur weil du dich dafür aufopferst und dir selbst untreu dabei wirst? Ich glaube nicht, denn es ist nur eine Taktik, um Zeit zu gewinnen und um die Situation vielleicht doch noch zurechtzubiegen. Das kann nicht die Lösung sein, dabei verlierst du eigentlich alles, wofür du dich so verbogen hast.

Richtig wäre, für sich immer eine Positionierung zu finden, in dieser ein High vorhanden ist und aus dieser Position heraus sich Situationen zu erschaffen, die dieses High unterstützen und nicht untergraben oder schwächen. Wie man sieht, die eigene Positionierung macht es aus, wie sich Situationen entwickeln können und dafür muss man wahrnehmen, welche Position man einnimmt. Wenn du in der Selbstbestimmung bist, dann kannst du dich auch für deine Selbstfürsorge bemühen und dann bist du in deiner Selbstliebe, dann hast du auch eine selbstbestimmte Positionierung. Wenn du aber durch Fremdsteuerungen nicht mehr über dich selbst bestimmen kannst, weil die Situation es so von dir verlangt, dann verlierst du dich, deine Selbstliebe und deine Selbstfürsorge und hast eine fremdbestimmte Positionierung. Stattdessen übernimmt das alles jemand anderer oder vielleicht sogar niemand, weil du übersättigt bist von all dem, was andere über dich bestimmen. Das fühlt sich dann nicht gut an, sehr entfremdend und du fühlst dich wie in einem Burnout. Der Weg heraus führt dich zur Ehrlichkeit dir gegenüber, der Situation gegenüber und den Symptomen gegenüber.

Lass es zu, dass du es fühlst, damit du die Situation und das Symptom verstehen lernst, dann wist du auch für Veränderungen, für Bewegungen und für all das offen sein, was bislang nicht sichtbar werden konnte. 

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